Gottesdienste

26. November 10:00 Uhr
(Ewigkeitssonntag)
Pfarrerinnen Heike Iber und Heidrun Miehe-Heger
mit Kindergottesdienst
03. Dezember 10:00 Uhr
(1. Advent)
Pfarrerin Heidrun Miehe-Heger
mit Kindergottesdienst

Gemeindebrief

Aktuelle Ausgabe
November

Kirchenmusik

17. Dezember 2017 18.00 Uhr
Jauchzet! Frohlocket!
14. Januar 2018 18.00 Uhr
Orgelkonzert

Zur Entstehung und Deutung des Wandbehangs

Karoline Mayer

Der Bilderbibel-Wandbehang der Johanneskirche ist eine Gemeinschaftsarbeit der Frauengruppe Octava Estacion (Achte Kreuzwegstation: die weinenden Frauen von Jerusalem). Wie viele andere Gruppen hat sich die Octava Estacion in den siebziger Jahren während der Diktatur Pinochets in Chile gebildet in einer Zeit, in der wir gemeinsam mit vielen Leuten in den Armenvierteln nach Überlebensstrategien suchten und um das tägliche Brot kämpften. 50 - 60 % der Familienväter waren arbeitslos, andere im Gefängnis, einige festgenommen und verschwunden oder untergetaucht.
Die Frauen erhielten Unterricht in Handarbeit, Farbenlehre und Organisation, konnten sich untereinander über ihre Situation austauschen und einander beistehen. Einige nahmen an Alphabetisierungskursen teil. Zusammen mit dem Ausbilderinnen-Team der Fundacion Missio wurden die Produkte ausgewählt, die die jeweilige Frauengruppe herstellen wollte. Eine Vielfalt von Handarbeiten entstand: Taschen, Bekleidungsstücke, Wandbehänge mit politischem Inhalt oder auch für Kinderzimmer und andere Räume.
Als es um die Wahl der Handarbeit ging, entschied sich die Gruppe Octava Estacion für Wandbehänge mit religiösem Inhalt. Jede der Frauen - Matilde, Telenia, Marta, Dominga, Felicitá ... hatte ein schweres Schicksal und in ihren christlichen Basisgemeinden (sie stammten aus verschiedenen Armenvierteln) hatten sie beim Hören der Frohen Botschaft etwas Licht und Trost, manchmal auch ein wenig Befreiung gefunden. Deshalb wollten sie sich weiter damit beschäftigen.
So begannen wir mit ihnen, die Evangelien zu lesen und versuchten zu verstehen, was diese für unser Leben heute bedeuteten. Dabei sind sie auf die weinenden Frauen von Jerusalem gestoßen, mit denen sie sich gleich identifizierten - auch mit etwas Humor: las lloronas - die heulenden Frauen.
Die Evangeliensprache in Bilder zu übertragen war für sie dann nicht einfach. Sie hatten keine Vorbilder, keine Bilderbücher, kannten keine Museen. Nur eine Kunstlehrerin begleitete sie und ermunterte sie, ihre eigenen Bilder aus ihrem Innern zu holen.